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FILME

Vater und Sohn

Regie: Aleksandr Sokurow, Russland 2003, 94 min

Vater und Sohn leben seit vielen Jahren in einer Dachwohnung irgendwo in einer Stadt im Norden, eingesponnen in eine Welt aus Erinnerungen, Ritualen und gegenseitiger Fürsorge. Beide versuchen in ein eigenes Leben aufzubrechen. Doch es fällt ihnen unendlich schwer, sich voneinander zu lösen. In wenigen, konzentrierten Szenen und Bildern von traumhafter Tiefe und Schönheit beleuchtet Alexander Sokurow die Innenwelt einer märchenhaft strahlenden Beziehung, deren Auflösung schmerzhaft und befreiend sein wird.
„ Vater und Sohn“, der zweite Teil von Sokurows Familientrilogie, wurde in Lissabon und St. Petersburg gedreht. Die Kamera führte Sokurows langjähriger Weggefährte Alexander Burow, für die Art Direction wurde Natalia Kochergina mit dem Preis der Russischen Filmkritik ausgezeichnet.

Von der Freiheit, sich zu verlieren

Alexandra Tuchinskaya über „Vater und Sohn“
„ Vater und Sohn“ ist der zweite Teil von Alexander Sokurows Filmtrilogie über das Drama menschlicher Beziehungen. Wie im ersten Teil, „Mutter und Sohn“, hat Sokurow die Form einer Parabel gewählt, die weder einen Anfang noch ein Ende, die weder eindeutige zeitliche noch topographische Bezüge hat. Der Zuschauer hat alle Freiheit, sich in der Zeit und den Orten dieses Films zu verlieren.
Dies geschieht z.B. dem Sohn in der Traumsequenz, als er sich in einem gleichzeitig vertrauten und seltsamen Wald wiederfindet. Ein Soldat in moderner Uniform ist umgeben von Frauen, deren Frisuren und Kleidung aus den 40er, 50er und 60er Jahren stammen. Die Dächer und schmalen Straßen einer alten Stadt im Norden erstrahlen unter einer gleißenden südlichen Sonne. Fast unmerklich fließt der Film durch eine Reihe von interieurs, die konventionell, aber nicht charakteristisch sind. Ein Tisch, ein Bett, Blumen. Die Insignien menschlichen Wohnens tragen etwas Symbolhaftes in sich.
Auch die Gesichter der Menschen im Film sind auffallend gekennzeichnet durch ihre Heutigkeit. Vater und Sohn, die Hauptrollen, werden von nichtprofessionellen Darstellern gespielt.
Ein Sohn ohne Mutter, der ganz in der Liebe seines Vaters aufwächst, von der Wiege an bis zum Aufbruch ins eigene Leben. Nun erwartet ihn das unabhängige Leben eines jungen Mannes, der zu fernen Horizonten aufbrechen könnte. Seine Freundin verlässt ihn wegen eines anderen. Er ist hin und her gerissen zwischen seiner Faszination für die vergangene Laufbahn des Vaters und der Erfahrung einer unglücklichen Liebe. Dieser Zwiespalt bleibt ungelöst. Die Sorgen des Sohnes erreichen das Universum des noch jungen Vaters und zerreißen den Kokon, in dem sich beide eingesponnen haben. Von nun an werden Vater und Sohn, jeder für sich, ihr eigenes Leben haben – und sich irgendwann in der Zukunft wiederfinden.
Zur Zeit arbeitet Alexander Sokurow am letzten Teil der Trilogie, „Zwei Brüder und eine Schwester“.
(Alexandra Tuchinskaya)

 

 


 


 
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