Sehr verehrte Gäste,
Im Namen der Petersburger Filmemacher möchte ich mich bei den Organisatoren der Russischen Filmtage in Berlin für ihre Initiative sowie ihr Interesse an der Arbeit russischer Regisseure in Sankt Petersburg bedanken.
Petersburg ist die Wiege der russischen Filmkunst. So sind selbst die „Lenfilm“-Studios den Traditionen der Sankt Petersburger Schule treu geblieben. In unserer Stadt wurde die Kunst vor allem durch bekannte Filmemacher wie Gregori Kusinzev, Leonid Trauberg, Friedrich Ermler, Sergei Judkeviz oder Josiph Heifiz, deren Filme auch in der heutigen Zeit noch auf großes Interesse stoßen, initiiert. Ihre wohl größte Bedeutung erlangte die Petersburger Filmkunst in den 60er und 70er Jahren, als so bekannte Namen wie Aleksandr German, Ilja Averbach, Dinara Asanova, Vitalij Melnikov, Igor Maslennikov, Semen Aramoviz, Irina Evteeva, Aleksandr Rogoshkin und Aleksandr Sokurov ihre Arbeit begannen. Während der Russischen Filmtage in Berlin werden wir die Möglichkeit haben, Filme dieser bekannten Regisseure zu sehen und anhand ihrer Arbeiten zu verstehen, wie sich der Film im heutigen Russland entwickelt und welche Reaktionen er bei den europäischen Zuschauern hervorruft.
Dank der Organisatoren der Russischen Filmtage in Berlin werden Sie die Möglichkeit haben, verschiedene Aspekte russischen Filmschaffens kennenzulernen, u.a. am Besipiel von „Armer, armer Paul“ (Vatalij Melnikov), „Sapiens“ (Aleksandr Rogoshkin) sowie den stilistisch recht unterschiedlichen Arbeiten junger Regisseure: „Demon“ und „Petersburg“ von Irina Evteeva und „Metropol-Express“ von Artem Antonov, welcher gerade mit den Dreharbeiten zu der russisch-deutschen Koproduktion „Polumgla“ beschäftigt ist.
Aleksandr German hat einmal einen jungen Regisseur gefragt: „Für wen drehst du die Filme?“ woraufhin dieser erwiderte: „Für mich!“. Daraufhin Germans Antwort: “Man schreibt ja nicht einmal Briefe an sich selbst!“.
Ich denke, dass trotz aller Schwierigkeiten, auf die russische Filmschaffende bei der Produktion stoßen, die Filme in erster Linie für die Zuschauer gedreht werden. Sie erzählen über den Menschen und das Leben und dabei spielt es keine Rolle, ob sich die Handlung auf den nach französischem Parfüm duftenden Straßen Moskaus abspielt oder in der russischen Provinz (wie z.B. „Babusja“ von Lidia Bobrova), sie sind verständlich für jedermann. Solange sich die Filmkunst eines jeden Landes an den Menschen selbst wendet, an sein Herz und seine Seele, dann wird er bei den Zuschauern immer auf Interesse stoßen.
Ich glaube, genau dieser Art von Film und Filmschaffen werden die Besucher der Russischen Filmtage begegnen.
Wir sehen uns im Kino!
Aleksandr Mamontov
Direktor Sankt Petersburger Filmfestival und
Russisches Kinohaus in Berlin